WILDSCHWEIN - TIER DES MONATS (September 2022)

Servus,
ich bin Geronimo und ihr Menschen nennt mich auch Wildschwein oder Schwarzwild.
Im Germanien von heute würde sich Asterix und Obelix wohl so richtig wohl fühlen. Römer und ihre Lager sind hier zwar keine mehr zu finden, aber wir Wildschweine, die die Nahrungsgrundlage der beiden Comicgestalten sind, werden immer mehr.
Heutzutage sind wir nicht nur im Laub- oder Mischwald zu finden, sondern auch in der Nähe von euch für uns seltsame Zweibeiner. Wir tauchen in Einkaufsparks am Stadtrand auf, zerwühlen eure Vorgärten und Mülltonnen (was wir besonders lustig finden), oder spazieren am helllichten Tag über den Marktplatz.
Das liegt daran, dass sich unsere Bestände seit der 90er Jahre explosionsartig vermehrt haben, weil der Anbau von Mais und Getreide stark gestiegen ist. Somit haben wir den ganzen Sommer über reichlich Ham Ham und reagieren darauf mit verstärkter Fortpflanzung. Zum anderen kommen uns auch die vermehrt milden Winter zugute, da kranke und alte Artgenossen dadurch leichter überleben und wir auch in der kältesten Jahreszeit mehr Nahrung finden als gewöhnlich. Tja, und natürliche Feinde haben wir auch kaum, da uns nur seeeeeeehr selten ein Wolf begegnet und Bär erst recht keiner. Naja und der Fuchs die Uhus und Wildkatze, die es auf die ganz Kleinen von uns abgesehen haben, die schlagen wir bei unserer Menge und unseren starken Mamas ganz locker in die Flucht. Den einzigen Feind den wir Wildschweine quasi besitzen seid ihr Menschen.

So, jetzt aber nochmal im Detail zu uns:

Name männl. Wildschwein: Keiler
Name weibl. Wildschwein: Bache
Name unserer Kinder: Frischlinge, im 2. Jahr Überläufer, im 3. Jahr sind wir erwachsen

Von uns stammen auch eure Hausschweine ab.

Größe: wir sind im Durchschnitt 150 cm lang,
so ein ganz mächtiger Keiler wie ich kann auch schon mal 200 cm Länge besitzen und wir sind 80 cm – 100 cm hoch

Gewicht: wir wiegen 70 kg – 200 kg

Merkmale:
– wir haben dichtes, borstiges, schwarzbraunes Fell…. bei Frischlingen ist das Fell braun mit weißen Streifen
– unser Kopf ist etwas dreieckig mit einer kräftigen Rüsselschnauze… ihr Menschen nennt unsere Schnauze auch Gebrech, da wir damit den Boden richtig gut aufbrechen können um nach Nahrung zu suchen.
– wir haben kräftige Eckzähne, die die Keiler als Waffe benutzen
– unsere Ohren sind groß und mit Fell bedeckt
– unsere Augen sind verhältnismäßig klein und naja das Sehen fällt uns jetzt auch nicht so besonders gut

Nahrung:
Wir sind Allesfresser und können uns von daher jedem Lebensraum anpassen. Wurzeln, Knollen, Baumfrüchte, Pilze, Mais, Getreide, Insekten, Schnecken, Mäuse, Frösche, Molche oder tote Tiere…. Mmmhhhhhhhh, alles meeeeegaaaaaa leeeeeeckeeeer

Alter: wir können bis zu 20 Jahre in Gefangenschaft werden und in freier Wildbahn max. 10 Jahre

Rauschzeit=Paarungszeit:
November bis Februar, aber es gibt viele Ausnahmen.
Die Bache ist ca. 115 Tage trächtig (3 Monate – 3 Wochen – 3 Tage) und bringt zwischen Februar bis Mai 3-10 Frischlinge zur Welt.

Sie müssen noch eine Woche im Wurfnest, einem Lager aus Laub, Ästen, Gras und Moos, in einem Versteck bleiben. Wenn die Bache Junge hat, dürfen außer anderen Bachen mit Frischlingen keine anderen Wildschweine in ihre Nähe kommen (denn manche Wildschweine töten und fressen die Kleinen auch). Unsere Kinder sind sehr lebhaft und schnell, sie spielen und toben wie eure Menschenkinder. Sie trinken drei bis vier Monate lang Milch bei ihrer Mutter, können aber schon mit drei Wochen selbst mit ihrem kleinen Rüssel in der Erde nach Nahrung suchen.
Nach ungefähr sechs Monaten bekommen sie das schwarzbraune Borstenfell von uns großen Wildschweinen.

Lebensweise:
Schwarzwild lebt zusammen in einer Gruppe, die auch Rotte genannt wird. Eine Rotte setzt sich aus Bachen, Überläufern und Frischlingen zusammen. Ältere Keiler sind meist Einzelgänger. Angeführt wird die Rotte in der Regel von dem ältesten und erfahrensten Tier, der Leitbache.

Wenn ihr Menschen uns mal im Wald begegnet:

Im Wald gehen Begegnungen mit uns meistens glimpflich aus. Haben wir Wildschweine die Möglichkeit dazu, werden wir im Normalfall immer versuchen zu flüchten. Deshalb solltet ihr darauf achten uns Tieren immer eine Rückzugsmöglichkeit freizuhalten. Ansonsten gilt: Ruhe bewahren und sich langsam und leise zurückziehen. Dabei uns nicht den Rücken zukehren, sondern behalte uns im Blick.
Wenn ich oder ein Artgenosse allerdings auf dich zustürme, weil wir Gefahr wittern und die Situation aufgrund unserer schlechten Augen nicht einschätzen können, solltest du dich groß machen, laut rufen oder in die Hände klatschen. Aber mache keine drohenden Gesten dabei oder halte gar Stöcke in die Höhe. Normalerweise verziehen wir uns dann.
Anders kann es aussehen, wenn du auf eine Wildschweinmama mit ihren Kindern triffst. Auf keinen Fall solltest du auf die Idee kommen die niedlichen Schweinchen streicheln zu wollen. Denn die Bache verteidigt ihre Jungen mit dem Leben.

Wenn ihr uns in der Stadt begegnet:

In der Stadt fühlen wir Wildschweine uns häufig in die Enge getrieben. In keinem Fall solltest du dich uns dann in den Weg stellen, sondern uns eine Fluchtmöglichkeit einräumen. Auffällige Zeichen, dass es brenzlig werden kann sind: Schnaufen durch die Nase, aufgestellter Schwanz und Zähneklappern. Wenn du in so einer Situation nicht ausweichen kannst, solltest du dich auch hier groß machen, in die Hände klatschen und so versuchen uns in die Flucht zu schlagen.

So, jetzt muss ich mit meiner Nase aber wieder ganz schnell in der Erde wühlen. Hab nämlich jetzt furchtbar Hunger bekommen vom vielen Erzählen. Ich hoffe aber, es hat euch gefallen!?
Von daher… pfiadi, tschüss, ciao und was es sonst noch so gibt.

Dein Geronimo